Ich erinnere mich noch genau an den Tag mitten im Sommer, an dem ich dich zum ersten Mal sah. Es war an dem Tag des Abschieds von meinem Onkel, die Beerdigung war noch am Mittag. Damals dachte ich noch, wie seltsam es doch ist, am gleichen Tag einer Beerdigung einen Geburtstag zu feiern. Doch das ist wohl das Leben. In dem Café angekommen, waren schon einige der Gäste da. Später kamst auch du und du bist mir gleich aufgefallen: groß und dunkelhaarig mit genauso dunklen Augen. Langsam trat die Dämmerung ein und die Gespräche wurden interessanter, auch dank des Weines. Ich versuchte an dem Abend nicht so offensichtlich in deine Richtung zu schauen, wenn du sprachst. Und dann eine Sekunde, eine Ewigkeit lang: unsere Blicke trafen sich. Noch nie hatten mich solche Augen angesehen. Am Ende des Abends sind wir alle zusammen durch die kleine Stadt gelaufen, in der viele von uns aufgewachsen sind. Dieser Stadt verdanke ich die intensivsten Jahre der versuchten Liebe.
Auf dem Weg redeten wir über Vieles, wir liefen immer in der Nähe voneinander, und doch blieb das Gesagte an der Oberfläche. Ich wurde den Wunsch nicht mehr los, noch mehr Zeit mit ihm zu verbringen. Als wir uns alle verabschiedeten, kam die Frage von dir: „Kommst du noch mit in die Moonbar?“. Jetzt war es klar. Ich versuchte lässig zu klingen. Innerlich war ich hellwach vor Glück. Die anderen zerstreuten sich in der Nacht.
Auf der Tanzfläche konnte ich in seinem Blick die Ungeduld erkennen. Mit einem Mal zog er mich zu sich heran und küsste mich.